Archive for the 'Sport' Category

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3:0! 3:0 3:0!

Ach, liebe Hertha II, nur der Vollständigkeit halber erinnere ich nochmal an meinen Kurzbericht vom August 2006. Gestern war das Rückspiel und wir hatten dreimal die Gelegenheit, unseren Song 2 zu hören — und zwar richtig ein- und ausgeblendet.

Eins aber musst Du mir noch erklären: Warum habt Ihr keine Unterstützer ans Millerntor geschickt? Hat mein kleiner Bruder etwa Recht mit seiner Behauptung, dass dieser Verein gar keine richtigen Fans hat, sondern die 200 Leute, die üblicherweise zum Heimspiel ins Jahn-Stadion kommen, gemietete Fans sind? Tut mir ja leid, das sagen zu müssen: You do walk alone.

Zurück vom Fußball

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Klar ist es für den gebürtigen Düsseldorfer, der letztlich doch zum FC St. Pauli konvertiert ist, ein Pflichtermin, wenn Pauli in Düsseldorf spielt. Gründe gibt’s genug: Die in der Heimat gebliebenen und dorthin zurückgekehrten Freunde und das neue Stadion die neue Multifunktionsarena, in der ich auch noch nie war. Habe ja viel drüber über gehört, über das Erwinodrom die LTU-Arena. Um es kurz zu machen: Der Termin war Pflichttermin im Kalender, seit klar war, dass weder Fortuna noch St. Pauli in der letzten Saison die Drittklassigkeit überwinden würden und noch mindestens ein weiteres Jahr in derselben Liga spielen würden.

Treffpunkt war Samstag um 13 Uhr im U-Bahnhof am Hauptbahnhof. Wir waren zu sechst, aber längst nicht allein auf dem Bahnsteig. Der quoll schon über vor Leuten, ein Meer aus rot-weiß, aber auch der vereinzelte Totenkopf oder Akzente von braun-weiß waren zu sehen. Was nicht zu sehen war, waren die extralangen Züge der Linie U78, die um diese Zeit die ca. 20.000 Besucher im 3-Minuten-Takt zum Stadion fahren sollten. Nach zwanzig Minuten wurde das Gedränge doch ein wenig viel und die Vermutung, dass die Rheinbahn nicht mitbekommen hat, dass für das Spiel ca. 17.000 Karten im Vorverkauf weggegangen sind, drohte sich zu bewarheiten.

Die Ansage gab Gewissheit: Schaden eines Stromabnehmers, derzeit kein Zugverkehr. Dann ging das Wettrennen um die Taxen los. Mit dem Taxi zum Stadion? Sowas gibt es ja eigentlich gar nicht, aber wir waren nicht die einzigen, die diese Idee hatten. Zum Glück steht hinter dem Hauptbahnhof ein nimmer versiegendes Füllhorn an Taxen, ganz anders als an den anderen Haltestellen der Bahn, die wir auf dem Weg in den Düsseldorfer Norden passierten. Dort standen hilflos den vorbeifahrenden Taxen hinterherwinkende Trauben von Menschen. Uns blieb nicht viel übrig als außer freundlich zurückzuwinken.

Am Stadion war es unglaublich voll. Das Sicherheitspersonal hatte an den Personenkontrollen alle Hände voll zu tun. Besonders in solchen Fällen, bei denen der Besucher versuchte, eine eigene Digitalkamera ins Stadion zu schmuggeln, um von Block 156 im Oberrang aus das eine oder andere Erinnerungsfoto zu machen. Dann muss man nämlich dem vollkommen fassungslosen Besucher klarmachen, dass er sich jetzt gegen den Strom durch die Menschenmenge zurückdrängen muss, um bei dem blauen Container dahinten die Kamera in die Sicherheit des Stadionpersonals zu übergeben. Dadurch macht man sich nicht besonders beliebt bei den Gästen. Man muss dann auch etwas von Stadionordnung faseln und von „wenn einer die Kamera an den Kopf bekommt, wenn sie geworfen wird“.

Am blauen Container treffen sich mehrere ungehaltene Leute, denen ins Gesicht geschrieben steht, dass sie unautorisierte, nicht vom Rechteinhaber DFB lizenzierte Bilder des Regionalligaspiels machen wollen. Was für eine Schikane! Einer der Momente, in denen ich mich frage, in was für einer Welt wir eigentlich leben. Vor allem, weil nur die Leute die Kameras abgeben mussten, die beim Abtasten so kooperativ waren, zu sagen, dass sich in der Jackentasche ein Fotoapparat befinde. Alle anderen Kameras und Mobiltelefone dürfen selbstverständlich mit ins Stadion.

Mal abgesehen von den prinzipiellen Erwägungen wäre es schon angemessen gewesen, die Besucher mit Hilfe von Schildern auf das Verbot von Bildaufzeichnungen im Stadion hinzuweisen. Hätte einigen Ärger erspart, wäre aber wahrscheinlich nicht praktikabel gewesen, weil das Stadionpersonal sich sonst damit konfrontiert gesehen hätte, auf mehrere zehntausend Telefone und Kameras aufpassen zu müssen.

Zum Glück hat das Spiel eine halbe Stunde später angefangen als ursprünglich angesetzt. Es waren immer noch tausende Besucher unterwegs und ich glaube, dass auch eine ganze Menge Besucher das 1:0 durch Palikuca nicht live gesehen haben, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch versuchten, ins Stadion zu kommen. Der Rest des Spiels ist auch St. Pauli Sicht auch nicht erwähnenswert. Der Treffer von Lechner war sehr schön, ging aber leider ins falsche Tor. Danach lief gar nichts mehr. Schade, dass St. Pauli sich danach durch ein eher ruppiges als elegantes Spiel hervortaten.

Immerhin hatten die Düsseldorfer einen gelungenen Karnevalsauftakt an diesem 11.11. und ich weiß ja, dass wir diese Niederlage am 12. Mai 2007 wieder gutmachen werden. Dann müssen die Freunde auch mit mir in die Gegengerade, daran gibt es kein Vorbeikommen.

Noch zwanzig Minuten bevor ich losgehe, um am Mill…

Noch zwanzig Minuten bevor ich losgehe, um am Millerntor zu sehen, wie der Tabellenletzte Bayer Leverkusen II auseinander genommen wird. Hoffe ich doch. Hey, FC St. Pauli, das wäre doch mal was: So ein richtig entspannter 3:0 Sieg. Ein frühes Tor, eins kurz vor der Halbzeit und ein schöner Treffer in der 75. So ganz ohne Hängen und Würgen, ohne Zittern und Bibbern. Keine gelbe Karte für Meggle, ein souveräner Torwart und endlich mal mindestens ein Luz-Tor, das ich auch sehe. Forza!

Später: 2:0 Arbeitssieg. Aber so richtig soverän war das nicht…

Ein langer Tag

Habe total vergessen, mich auch in diesem Kreis abzumelden, bevor ich letzte Woche Freitag zu einem einwöchigen Urlaub aufgebrochen bin und das Barmblog somit für diese Zeit geschlossen bleiben musste. Damit dies nicht nochmal passiert, schon hier die Ankündigung, dass in der Zeit vom 29.09. bis zum 16.10. vermutlich nicht viel Neues hier zu lesen ist — es sei denn, der Freund in New York und die Freundin in Montréal haben ausreichende Internetverbindungen und in diesen gut zwei Wochen passiert etwas Berichtenswertes.

Die Überschrift deutet schon an, dass heute ein langer Tag war. Ich bin etwas durch den Wind. Heute morgen wache ich in einem unglaublich schönen und toll gelegenem Ferienhaus an der Grenze zwischen Toskana und Umbrien auf, am Abend schreie ich mir am Millerntor die Seele aus dem Leib, um St. Pauli durch die erste Runde des DFB-Pokals zu bringen. Leiderleider vergebens.

Die Zeit zwischendrin war hauptsächlich mit Reisen belegt. Eine Zugfahrt mit einem Regionalzug von Camucia-Cortona durch die morgendliche Toskana nach Pisa, dann mein erster Flug mit RyanAir nach Lübeck, der Bustransfer zum ZOB nach Hambug und ehe ich es mich versehe, sitze ich mit dem schweren Koffer in der S-Bahn nach Barmbek. Dabei habe ich die Worte des Mitreisenden aus dem Bus nach Hamburg im Ohr, der zu seiner Freundin sagte, dass das Reisen mit dem Flugzeug schon komisch sei: Man ist noch im Urlaub und keine zwei Stunden später findet man sich mitten im Alltag wieder. Als ich das hörte, fand ich es etwas albern, aber mit einem mentalen Jet-Lag behaftet (fühle mich weder dort noch hier) kann ich dieser Idee doch einiges abgewinnen. Besonders im Vergleich zur Reise vor einer Woche.

Bin am letzten Freitag mit der Bahn nach Innsbruck gefahren. Nach einer Nacht im Zug hatte ich schon das Gefühl, eine lange Strecke hinter mich gebracht zu haben. Aufwachen am frühen Morgen und auf einmal sieht draußen alles anders aus als bei der Abfahrt. Da kriegt man schon ein Gefühl für die zurückgelegte Strecke. Bei den letzten Flugreisen ist mir dieser Effekt nicht so aufgefallen, da auch diese über Nacht vonstatten gingen. Aber Mittags um 12 in Pisa in ein Flugzeug zu steigen und um 14:30 in Lübeck wieder auszusteigen ist schon seltsam.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Nach Hause, auspacken, ins Stadion, 1:0 Schulz, 1:1 Podolski, in der Verlängerung ein schmeichelhafterweise Lahm zugeschriebenes 1:2 und hinterher mit B. noch Biere im September getrunken. Dann nach Hause und bloggen.

Gleich ins Bett und morgen versuchen, den Urlaub ein wenig ausklingen zu lassen. Und waschen, waschen, waschen.

Musikdiebstahl im Stadion

Nicht, dass Hertha BSC Berlin ein Verein ist, der bei mir einen besonderen Sympathie-Bonus zu verspielen hätte, aber seit die Säcke sich bei dem Schmach&Schande Spiel am Samstag unseren Song 2 geklaut haben, um ihre bescheuerten drei Tore zu feiern, sind sie bei mir vollkommen unten durch.

DFB Pokal Halbfinale Reloaded

Ursprünglich wollte ich einen kurzen Text über das Buch schreiben, das ich als letztes gelesen habe. Obwohl „Improbable“ von Adam Fawer an sich kein besonders aufsehenserregendes Buch ist, war es für mich dennoch eine Premiere: Das erste Mal, dass nach nur wenigen Seiten klar war, dass das Buch literarisch kein großer Wurf ist. Anstatt mich dem vorzüglichen „The Time Traveller’s Wife“ zuzuwenden, habe ich es trotzdem zu Ende gelesen — nur um festzustellen, ob der Autor diesen Schreibstil ernst meint, oder ob nicht doch ein wenig Selbstironie in
diesem Thriller auftaucht. Passiert nicht, dass Buch nimmt sich ironischerweise vollkommen ernst. Spielt aber auch keine Rolle — es sei nur angemerkt, dass es in Improbable um Wahrscheinlichkeitsrechnung geht. Eine wirre und sehr
unwahrscheinliche Geschichte um LaPlaces Dämon, blablabla, ich will’s hier gar nicht ausbreiten.

Zeitsprung nach vorne: Gestern abend war die Auslosung der ersten Runde im DFB-Pokal. Ich habe es selbst nicht gesehen, aber die SMS vom kleinen Bruder und die Nachricht vom Stadionkumpel ließen keinen Zweifel: Am 09./10. September sehen wir am Millerntor eine Neuauaflage des Halbfinales vom 12. April. Wie wahrscheinlich war das? Sehr gering auf jeden Fall. Als ob mir das Leben einen Streich spielen wollte und sagte, „Ey, Alexander, höttest Du dieses Buch doch mal etwas ernster genommen.“ Klasse Leben, genau die Lektion, die ich brauchte.

Denn die Freude über diese Zulosung wird durch einen kleinen Umstand getrübt: Schrieb ich gerade „wir sehen“? Bei mir wird das schwierig, denn das Spiel fällt auf das letzte Wochenende meines Urlaubs in der Toskana. Mann, was hab‘ ich mir in den Hintern gebissen gestern abend. Da kaufe ich mir meine erste Dauerkarte, nicht zuletzt wegen des Vorkaufsrechts für die Pokalspiele, und beim ersten und wichtigsten bin ich weit weg. Oder doch nicht?

Nun werde ich vermutlich den heutigen Abend damit verbringen, (a) herauszufinden, ob das Spiel am Samstag oder am Sonntag sein wird und (b) wie ich am passendsten aus Cortona wieder nach Hamburg komme, um rechtzeitig zur großen Sensation wieder am Millerntor zu sein. Der Punkt (c) wie sag ich’s der Familie, mit der ich wegfahre, ist noch
ein weiteres Hindernis, aber das kriege ich auch noch hin.

Niemand siegt am Millerntor!

Letzte WM Impressionen

Ganz schnell, bevor das Thema abgestanden ist, noch ein paar letzte Eindrücke von der WM.

  • Super Fan Accessoire

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    Vor vielen Jahren schon gekauft, hat mein superpatriotischer Staubwedel bisher nur den Spinnen das Fürchten gelehrt. Am Samstag, im Finale gegen Portugal, habe ich für Bastian Schweinsteiger damit die Tore herbeigewedelt. Wird in Ehren gehalten und bei der EM 2008 wieder ausgepackt.

  • Letzter Austragungsort der WM war das La Paz am Heußweg in Eimsbüttel. Dort haben wir schon einige Spiele der Euro 2004 gesehen. Unter anderem ist dort die legendäre Nebenwette abgemacht worden, dass Griechenland sich trotz des nur wenige Minuten zuvor erlangten Meistertitels nicht für die WM in Deutschland qualifizieren würde. Den Euro, den P. dagegen gehalten hat, halte ich in Ehren in meiner Andenkenkiste.

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    Sowohl das Finale gegen Portugal als auch das „Spiel um Platz 1“ haben wir in großer Runde dort gesehen. War prima. Im Lokal selbst war kein Stuhl mehr zu finden, da das gesamte Sitzmobiliar auf die Straße geholt wurde. Trotzdem lohnt es sich, zwei Stunden vor Anpfiff da zu sein. Die Kellnerinnen sind zuckersüßs und haben die Gäste gut im Griff. Man kann sich richtig beliebt machen, wenn man zur Bestellung gleich die (virtuelle) Tischnummer mitgibt. Tische gibt’s nicht immer, teilweise mussten wir etwas improvisieren:

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    Ärgerlich ist nur, dass man es hinbekommen hat, auf 16:9 Fernsehern trotzdem ein aufgezogenes 4:3 Bild zu zeigen, inklusive abgeschnittenen Rändern und den berühmten Breitköpfen. Vielleicht bekommen sie das bis zur EM hin.

Meine WM-Austragungsorte (2)

Wie versprochen, hier die Erweiterung der Liste meiner WM-Spielorte:

  • Sausalitos (im Chilehaus): Örtliche Filiale der Tex-Mex Erlebnisgastronomie-Kette. Ist bei den Kollegen sehr beliebt. Nachdem E. und ich auf der Suche nach einem persönlichen Austragungsort etwas ziellos durch die Innenstadt gelaufen sind, landen wir in diesem großen, gewölbeartigen Lokal ist es kurz vor dem Spiel kühl und leer. Der Laden verspricht aber voll zu werden, denn wir können lediglich einen Stehtisch etwas ungünbstig in den Weg stellen. Eine Kellnerin kommt vorbei und verteilt Trillerpfeifen. Das durchweg jüngere Publikum beginnt, sich ein Trillerpfeifen Freestyle Battle zu liefern. Das war sehr laut. Kurz vor dem Hörsturz (aber noch vor der ersten Bestellung) verlassen E. und ich das Lokal und haben auf der Suche nach einem Austragungsort wetvolle fünf Minuten verloren.

    Noch ca. 20 Minuten bis Anpfiff gegen Schweden.

  • Portugiesenviertel: Keine Ahnung, wie die Straße heißt, in der wir landen. Die Restaurants und Cafés sind voll, aber man kann gut auf der Straße stehen und auf die zahlreichen Leinwände und Fernseher schauen, die in den Läden hängen.

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    Die Stimmung ist hervorragend und die Straße ist nicht hoffnungslos überfüllt. Wenige hundert Meter entfernt drängen sich auf dem Fanfest ca. 70.000 Menschen, hier stehen wir inmitten einer kleiner Menge vor dem Café Sul. Im Restaurant nebenan ist es voller, aber dafür haben wir einen kleinen aber entscheidenden Zeitvorteil gegenüber den Gästen dort: Sie schauen digitales Fernsehen, wir analoges. Wir sehen und hören das Spiel zwei Sekunden vor den anderen, was dort deutlich Stimmung herausnimmt. Quintessenz: Live ist doch nicht life. Sorry, Opus!

    Bislang Austragungsort von einem Spiel. Wenn Portugal ins Finale kommt, vielleicht auch noch für ein zweites Spiel.

Klatschen wie Angela Merkel

Welches Bild der WM wird mir immer in Erinnerung bleiben? Lehmann nach dem zweiten gehaltenen Elfmeter gegen Argentinien? Der Moment, als auf dem FIFA Fan Fest Tschechen mit Ghanaern tanzten, nachdem Tschechien verlor? Das Spiel gegen Polen im Meisenfrei?

Wenn all diese Erinnerungen verblasst sind, werde ich die Bilder von Angela Merkel im Kopf haben, wie sie klatscht. Applaudieren kann man das ja kaum noch nennen. Habe noch nie jemanden gesehen, bei dem die Klatsch-Energie nicht aus den Armen kommt, sondern aus dem Becken. Etwas ruckelige Auf- und Abwärtsbewegungen im Becken der Kanzlerin führen dazu, dass gerade ausgestreckten Hände zusammenschlagen. Sieht sehr putzig aus. Mal drauf achten!

Meine WM-Austragungsorte

Als fernsehfreier Mensch stellt mich die Fußball WM vor harte logistische Probleme. Wo kann ich mir die Spiele am Besten anschauen? Bei vergangenen Turnieren lief das meistens auf Privatgucken bei Freunden hinaus. Die wahrlich nicht fußballbegeisterte Freundin C. kann ein Lied davon singen, seit ich zum Achtelfinale bei der WM 2002 Deutschland gegen Paraguay morgens um 8 mit Brötchen bei ihr vor der Tür stand. Wir hatten uns zum Frühstück verabredet und dabei das 1:0 angeschaut. Statt also Freunde zu Hause zu belästigen, gibt es bei der WM 2006 praktisch an jeder Ecke einen mehr oder weniger öffentlichen Fernseher, auf dem man die Spiele ansehen kann.

Meine persönlichen Austragungsorte

  • Meisenfrei (Eppendorfer Weg, Eimsbüttel): Kleine Kneipe mit mittelmäßig attraktivem Publikum, viele Stammgäste. Recht gute Projektion mit 16:9 Beamer über der Theke. Wenn alle Tische innen besetzt sind, kann man bei gutem Wetter auf der Terrasse sitzen und nach innen gucken. Ein Fernseher draußen dient bei der Tonwiedergabe, wird aber üblicherweise so von der Sonne geblendet, dass man kaum etwas erkennt.

    Stimmung ist gut, die Toleranz der Gäste gegenüber Pfeifen, Tröten und dem berüchtigten „Krach in Dosen“ ist erstaunlich hoch. Mit hauseigenem Tippspiel. Die Preise sind moderat und die Toasts lecker. Bisher Austragungsort von fünf Spielen.

  • Bei Steti (Ecke Wasmannstr./Oldachstr., Barmbek): Kneipe im maritimen Stil (Netz mit Plastikfischen über dem Tresen), direkt bei mir um die Ecke. Habe ich schon vor Wochen als potentiellen WM Austragungsort erkannt, da ein Premiere Sports-Bar Schild im Fenster hängt.

    Bin zu Italien — Ghana hingegangen. Innen: Gespenstische Stille, Fünf versteinert wirkende Gäste verschiedener Altersstufen starren gebannt auf einen 60cm Fernseher, der in die Holzverschalung der Wand eingelassen ist. Ein Barhocker ist noch frei. Einer der Stammgäste (das müssen Stammgäste sein, solche Läden haben außer mir keine Laufkundschaft) beginnt eine komplett nervtötende Diskussion, ob man denn nicht mal die schwarzen Balken aus dem Bild wegmachen könne. Gruselig.
    Warte ewig auf mein Bier, denn Steti hält sich an das deutsche Zapfgebot, dass ein gutes Pils sieben Minuten brauche. Schaue die erste Halbzeit und noch bevor die Spieler in der Kabine sind, bin ich wieder auf der Straße. Nicht wieder hingehen. Allerdings: 0,4 Holsten nur 1,70 Euro.

  • Taormina (Fuhlsbüttler Str., Barmbek): Brauchte nach dem Desaster bei Steti dringend einen Austragungsort für die zweite Halbzeit von Italien — Ghana. Die neuen Besitzer haben technisch aufgerüstet: ein Beamer auf der Terrasse und einer im Restaurant. Stimmung beim Italien-Spiel war sehr gut. Innen eine ganze Wand als Projektionsfläche (ca. 15 qm). Gutes und preiswertes italienisches Essen. Austragungsort von bisher 0,5 Spielen. Sollte Italien nochmal abends spielen, gehe ich gerne wieder hin.
  • Raum 304 (bei meinem Arbeitgeber):

    Für den Fall, dass Sie neben den Deutschland-Spielen auch weitere Spiele sehen möchten, senden Sie dazu, spätestens am Tag vor dem Spiel, eine Email an Ihren örtlichen Betriebsrats-Postkorb. Ob Ihr gewünschtes Spiel übertragen wird, sehen Sie am Vortag ab 16 Uhr im Intranet auf Ihrer Betriebsratsseite.

    Für Ihre Verpflegung sorgen Sie bitte selbst.

    Grundsätzlich ist der Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Vergessen Sie daher bitte nicht, mit Ihrer Führungskraft Ihre Abwesenheit abzustimmen (und auszustechen!), da „Spielzeit“ ja nicht gleich Arbeitszeit ist.

    Bisher Austragungsort von einem Spiel. Das war nett und ich finde es gut, dass so etwas überhaupt organisiert wird.

  • FIFA Fan-Fest (Heiligengeistfeld): Extrem skeptische Einstellung vor dem ersten Besuch dort. Bin normalerweise ein absoluter Vermeider von übermäßig großen Veranstaltungen. Kaum etwas ist mir ferner als Menschenmassen, die laut und nervig feiern, dass sie irgendwo sind. Anlass egal. Je nichtiger der Anlass, desto lauter, bunter und greller muss das Feiern werden. Meistens ist eine unvermeidliche Anzahl von Fress- und Nippesbuden dabei (Weihnachtsmarkt!). Wenn noch eine örtliche Format- oder Dudelradiostation das akustische Programm liefert, ist Reißaus nehmen oberste Bürgerpflicht (NDR 2, ich meine Dich!).

    Erstaunlicherweise berührt mich das Fan-Fest auf dem Heiligengeistfeld ganz anders. Klar ist es voll, klar sind auch viele Leute da, die sich nicht einen Deut für Fußball interessieren. Klar gibt es auch Fressbuden. Doch trotz allem ist die Stimmung gut und das Zusammentreffen vieler Nationen funktioniert besser als bei der Expo in Hannover. Gehe ich gerne wieder hin, wenn’s nicht regnet. Bei Spielen der deutschen Mannschaft wird es aber doch ein wenig zu voll sein. Bisher Austragungsort von zwei Spielen.

  • FootieFox (http://www.footiefox.com): Für alle Spiele, die während der Arbeitszeit laufen und die ich nicht in Raum 304 sehe. Eine Firefox Erweiterung, die in der Statuszeile aktuelle Spielstände anzeigt und sich optisch und akustisch bemerkbar macht, wenn ein Tor fällt. Funktioniert nicht nur für die WM, sondern auch für unzählige internationale Ligen. Bisher Austragungsort für viele Spiele.

Beim Besuch weiterer Austragungsorte wird die Liste fortgesetzt.