Archive for the 'Feuilleton' Category

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Eine Ära geht zu Ende

Heute morgen beim frühstücklichen Radiohören die traurige Nachricht: Siegfried Buschschlüter tritt ab und räumt den Korrespondentenposten des Deutschlandradios in Washington. Ein Schlag in die Magengrube.

Seit ich vor sieben Jahren das Sendegebiet des WDR verlassen, mich vom Informationssender WDR5 ab- und dem Deutschlandfunk zugewendet habe, begleitet mich die Stimme Herrn Buschschlüters: diese angenehme, niemals aufgeregte Stimme. Er gehört zu den Leuten, die mir das Telefonbuch von Pyöngyang vorlesen könnten und ich würde trotzdem an seinen Lippen hängen. Dazu die präzise Art der Berichterstattung: Klare Sprache, unvoreingenommen und immer auf den Punkt, mit einer wohl durchdachten Meinung. Das ist ganz, ganz großer Journalismus.

Mit seinen Reportagen hat er ganz nachhaltig mein Bild von Amerika geprägt. Zu einer Zeit, in der dieses Land einen zunehmend schlechten Ruf gewinnt, schafft Siegfried Buschschlüter es, diese Nation nicht nur auf die Außenpolitik der aktuellen Regierung zu reduzieren, sondern immer auch die Leute auf der Straße und die ganz kleinen Geschichten nicht aus den Augen zu verlieren.

Nun verlässt er den Korrespondentenposten, geht vermutlich in Pension, aber so genau erfährt man als Hörer ja nichts über die Personalia. Schadeschadeschade. Mir wird beim Einschlafen und Aufwachen etwas fehlen, da bin ich mir ganz und gar sicher.

Wer’s nochmal hören möchte, kann sich den Beitrag von heute morgen beim Deutschlandradio herunterladen.

Kurzer Sprung in die Achtziger

Es gab vor langeer Zeit mal eine Zeit, in der ich fernsehmäßig nicht nur voll up-to-date, sondern sogar dem bundesdeutschen Mainstream sogar ein wenig voraus war: Die Achtziger. Wir hatten Kabel. Ursprünglich wollte die Deutsche Bundespost das Kabel in unserem Stadtteil nur bis zur Ecke mit der Bushaltestelle verlegen, doch ein paar Nachbarn und meine Eltern bekundeten Interesse und bewirkten dadurch, dass ein paar hundert Meter weiter gebuddelt wurde.

Durch diese Kupferader des Lebens gelangte sehr viel buntes und grelles Fernsehen in unser Haus. Für mich bedeutete das vor allem Zugang zu MTV (für die jüngeren: MTV war früher ein Sender, der Musik spielte. [Gibt es hier überhaupt „jungere“?]), und innerhalb von MTV ganz besonders die Spielshow Remote Control.

Prägende Stunden meiner Jugend verbrachte ich vor der Glotze im Keller-Studio von Ken Ober, der täglich drei Kandidaten durch eine Reihe sehr vergnüglicher Spiele steuerte. Das gab es sonst im Fernsehen nicht. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gab es die „große Samstag-Abend Show für die ganze Familie“ oder das damals heftig diskutierte „Tutti Frutti“ mit seinen pornographischen barbusigen Elementen. Vielleicht gab es noch ein paar Spielshows mehr, aber nichts war wie die täglichen dreißig Minuten Remote Control. Zwar fehlte mir bei vielen Fragen das Wissen über amerikanische Popkultur, aber die Spiele wurden höchst komisch präsentiert.

Sicherlich war das weitgehend geistfreie Unterhaltung ohne den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, doch wer seine Fernsehbiographie mit den „Drei Fragen aus der Tagesschau“ bei Carrells „Am laufenden Band“ begann, wird die unterhaltsame Belanglosigkeit solcher Fragerunden wie „Dead, Alive or Indian Food“ (Q: Ravi Shankar, A: He’s Alive. Q: Dal Kofta, A: Dead. No, sorry, it’s Indian food) oder „Train, Plane or Insane“ (Q: Spirit of St. Louis, A: Plane. Q: Adolf Hitler, A: Insane) zu schätzen wissen. Dort gab es keine Rundfunkräte, die Einspruch erheben, wenn bei „Beat the Bishop“ Bischöfe (oder Rabbis) durch’s Studio rennen, während die Kandidaten Rechenaufgaben lösen.

Im Internet gibt es bemerkenswert wenig zu dieser Serie. Einen Wikipedia-Eintrag und von dort aus Links zu Seiten, die zumindest ein paar Video-Schnipsel haben.

Wer seine Erinnerungen auffrischen will, möge die Haare toupieren, die Leggins anziehen und sich in diese Zeitmaschine hier bewegen (Link zu den gestreamten Clips ganz unten).

Sag alles ab

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(Das neue Tocotronic Album ist da.)

Das Problem der Musikindustrie

Fake Steve Jobs entwickelt sich mehr und mehr zu einem meiner Lieblingsweblogs. Heute gibt es eine hervorragende Zusammenfassung des Problems der Musikindustrie. Kurzer Ausschnitt:

Here’s the thing. These guys could have done what we did. In the early days of the Internet, everyone figured the majors would build digital distribution arms. But they didn’t do it, because they didn’t understand technology, and they didn’t want to invest in building this expertise, and they were freaked out about piracy and paralyzed with fear. So we stepped in. We made the big investment. We hired programmers. We developed software that’s easy to use and works flawlessly. (If you think that’s trivial, think again. It’s huge.) We ran the system. We promoted it, we marketed it, we haggled with all the majors and struck deals. We took all the risk, which was considerable. Now we’re reaping the reward. And the majors want a bigger slice. Um, for what? We did all the work. Ain’t gonna happen, slick.

Die PARTEI in Georgien im Clubheim St. Pauli

Seit 16 Jahren bin ich treuer Abonnent der Titanic. Ich vermute, dass es nicht viele Langzeit-Abonnenten gibt, die nach Schule, Zivildienst und Studium immer noch dem monatlichen Satiremagazin aus Frankfurt die Treue halten; die meisten werden sich mit Mitte Zwanzig von dem Blatt verabschieden, davon bin ich fest überzeugt.

Höhen und Tiefen hat dieses Blatt mitgemacht, leider befindet es sich nach dem Abtritt von Martin Sonneborn vom Posten des Chefredakteurs in einer mehr oder weniger dauerhaften Krise. Wären da nicht die „Briefe an die Leser“, die immer exzellente „Humorkritik“ und das gaga-anarchische „Partner Titanic“ Heft-im-Heft, ich hätte schon lange den Plan wahrgemacht, der Redaktion mal eine Kündigungsbestätigung eines Titanic-Abos für die monatliche Statistik zur Bereinigung des Zeitschriftenmarktes zu schicken. Doch immer, wenn ich von dem Blatt genervt bin und die Beiträge eher lau und einfallslos finde, gibt es einen Lichtblick, der mich von dem Entschluss abbringt, das Abo zu kündigen (der zweite Grund ist, dass ich insgeheim darauf warte, doch mal eine goldene Ehrennadel als Langzeitabonnent zu bekommen). Der letzte große Lichtblick war die Gründung der PARTEI und die Teilnahme an verschiedenen Wahlen, Sonneborns legendäre Wahlwerbespots gehören zum Besten, was in der deutschen Satirelandschaft in den letzten Jahren produziert worden ist.

Auch dieses Mal war es ein Beitrag über die PARTEI, der einen solchen Lichtblick verkörperte. Der brillante Reisebericht über den Besuch einer PARTEI-Reisegruppe bei der Georgischen Arbeiterpartei ließ mich mit offenem Mund auf dem Sofa sitzen, den Kopf schüttelnd dachte ich „Das gibt es nicht. Wie kann man einen solchen Stunt abziehen und sich für den Bruch des Hitler-Stalin Paktes entschuldigen?“. Große, große Satire.

Gestern abend lud der Hamburger Ortsverein der PARTEI ein in das Clubheim des FC St. Pauli, um dort mit Bildern und Erzählungen von der Reise zu berichten. Wir waren zu siebt und stellten etwa ein Viertel des Gesamtpublikums im überschaubar gefüllten Vereinsheim. Nicht zu übersehen war, dass mindestens ein weiteres Viertel der Anwesenden sich aus den Reihen der Partei rekrutierte — wie immer leicht zu erkennen an den äußerst vielseitigen C&A Anzügen. Sogar der Bundesvorsitzende Sonneborn war anwesend, hielt sich aber bedeckt im Publikum.

Was ein unterhaltsamer Vortrag hätte werden können, wurde leider ein nur in manchen Teilen unterhaltsamer und über lange Strecken langwieriger Abend. Zu lang! Viel zu lang! So ein Vortrag darf nicht mehr als 75 Minuten dauern. Es ist nicht notwendig, mehr als eine Karte von Georgien zu zeigen und es reicht auch, vom selben Motiv nur ein einziges Foto zu zeigen, nicht gleich ein halbes Dutzend. Und bitte ein wenig am Vortragsstil arbeiten: Lediglich die Vorsitzenden der Landesverbände Hamburg und Baden-Württemberg hatten so etwas wie Bühnenpräsenz und ein wenig Erzählkunst am Leib. Die anderen Beitragenden auf der Bühne sollten sich davon ein Scheibchen abschneiden und vor dem nächsten Auftritt noch ein wenig üben, vor Leuten zu sprechen.

Versöhnlich zum Abschluss die kurze Ansprache von Martin Sonneborn: Der Mann hat eine Chuzpe wie nur wenige. Außerdem kann er sprechen. Das merkt man bei seinen Lesungen, beim Wahlkampf seiner Partei und auch an diesem Abend.

Ob ich nach diesem Abend der Zeitschrift einen neuen Vertrauensbonus einräume, weiß ich noch nicht. Ab wann kriege ich die Ehrennadel?

Cash / Hurt

Heute beim Musikhören in Tränen ausgebrochen, weil mich die Musik so berührt hat. Ist schon lange nicht mehr passiert. Grund dieses emotionalen Ausbruchs war Johnny Cashs geniale Interpretation von Hurt, im Original von Trent Raznor. Was für ein unglaublich mitreißendes Stück.

Und das bei Johnny Cash. Bei Country. Schauder.

Cash ist mir das erste Mal untergekommen, als meine musikalisch tief in den Sechzigern verwurzelte Englischlehrerin uns in der elften oder zwölften Klasse (Obersekunda/Unterprima für die Leser mit humanistischer Schulkarriere) mit Ring of Fire genervt hat. Güte, ist mir das damals auf die Nerven gegangen, in einer Zeit, in der es für mich außer Düstermusik nicht viel gab. Das Burn, Burn, Burn… ergänzte ich im Kopf immer um Yeah, Motherfucker, Burn!“ und ließ den Künstler links liegen.

Bis vor ein paar Wochen die Couchpotatoes in ihrem Podcast auf das Sad Kermit Cover vom Cash Cover von Nine Inch Nails aufmerksam machten. Das war ein witziges Video. Machte mich neugierig. Von dort aus waren es bei Youtube nur zwei Klicks zu Cash (und zu Nine Inch Nails).

Gestern dann bei den freundlichen Ex-Barmbekern bei leckerem Essen und einem Hauch zuviel Wein in die American Recordings reingehört und sofort die CDs ausgeliehen. Heute morgen habe ich während der Rosé-bedingten Rekonvaleszenz Herrn Cash den Platz in meinem CD-Player überlassen. W-O-W! Was für eine Stimme, was für eine Gitarre. „And you could have it all; My empire of dirt“ singt er mit einer Dringlichkeit und Autorität, dass es mir schon fast Angst macht, wie man soviel Emotion in seine Stimme legen kann. Danach hat sich sogar dier fiese Kater ehrfürchtig zurückgezogen. Er hatte einfach keine Chance mehr in meinem Kopf, der war voller Musik.

Wagemutig: Filme gucken im Zug

Auf der Rückfahrt von meinem Wochenendausflug in der Nähe von Darmstadt wollte ich mir die lange Fahrt im vollen ICE mit einem Film auf dem Laptop vertreiben. Einer der Freunde aus Düsseldorf hatte mir seine Y tu mamá también DVD geliehen, ein wenig was mit Anspruch, zumindest kann ich versuchen, mich durch Originalton und Untertitel durchzubeißen.

Keine gute Idee. Wer den Film kennt, weiß vielleicht, dass es nicht die Art Film ist, die man unbefangen schaut, wenn man sehr nah neben einer anderen Person sitzt, die man nicht kennt und man nicht sicher ausschließen kann, was die Leute hinter einem in dem Spalt zwischen den Sitzen so mitkriegen.

Um’s auf den Punkt zu bringen: Die ersten fünf Minuten wird hauptsächlich gepoppt. Mit ein wenig Dialog um die Charaktere vorzustellen, aber hauptsächlich sieht man in diesen ersten Minuten Titten und Ärsche. Ich war, um es milde zu formulieren, ein wenig unentspannt in dieser Situation. Nicht etwa wegen eigener Erregung, sondern eher weil mir sehr schnell deutlich wurde, dass ich der jungen Frau mit dem „Deutsch lernen 10. Klasse“-Buch neben mir das Passivgucken dieses Films vielleicht nicht so einfach zumuten sollte, ich könnte ja Probleme mit dem Jugendschutz bekommen. Oder als lüsterner Sack durchgehen, was schlimmer wäre.

Habe mich dann nach einer kurzen Szene ohne Sex (um zumindest deutlich zu machen, dass ich keinen Porno gucke, sondern einen Film mit Handlung) gegen den FIlm entschieden und mir stattdessen „Good Night and Good Luck“ angeschaut, bei dem ich sicher sein konnte, dass ein solches Desaster nicht passiert.

War eine gute Entscheidung. Der Film geizt nicht mit Höhepunkten, wie ich später fest stellte, als ich mir den Rest des Films zu Hause anschaute.

Meine Rache am Szene-Plattendealer

Ein etwas älterer Beitrag über einen Plattenladen bei Herrn bosch ruft mir eine Situation ins Gedächtnis, die sich möglicherweise in genau dem von ihm beschriebenen Geschäft abgespielt hat, irgendwo im Schanzenviertel. Also bitte erstmal beim boschblog vorbeischauen, dann hier weiterlesen.

Fertig? OK. Vor ein paar Jahren, als die Sportfreunde Stiller gerade mit der „Guten Seite“ ein respektables Album veröffentlicht hatten, suchte ich eben diese CD, um sie zu verschenken. Problematisch war, dass es von dem Album zwei Versionen gibt, die sich durch einen Bonustrack unterscheiden. Erstaunlicherweise ist der Bonustrack einer der besten auf der Platte und so suchte ich genau diese Fassung.

Unterwegs im Schanzenviertel habe ich erfahren, wie es ist, in Szeneläden etwas anderes zu suchen als obskure japanische Importmaxis, vgl. dazu auch Max Goldts „Junger Mann, der sich eine Schallplatte gekauft hat.“. Es ist grauenhaft, dieses herablassenhaft behandelt werden:

Ich: Ich suche die neue Sportfreunde Stiller, habt Ihr die da?
Plattendealer: (mit abschätzigem Blick) Schau mal unter ‚Laufkundschaft S‘ ‚Diverse S‘

Er hatte die CD dann tatsächlich da, aber nur das normale Album. Mit ebenso großer Herablassenheit habe ich sie stehen lassen und dem erstaunt guckenden Plattenhändler ein „Ach, das ist nur die normale Fassung, ich suche die Limited Edition“ entgegnet. Ha!

Bin dann bei WOM fündig geworden. Das war leider der Preis für meinen Stolz.

World Press Photo

Bei Gruner&Jahr sind zurzeit die Sieger des World Press Photo Wettbewerbs zu sehen. Eine hochspannende Ausstellung. Es gibt drei Themenbereiche: Sport, Tiere und Krieg/Elend. Die Welt ist einfach gestrickt. Hier ein paar Eindrücke:

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Eins der Bilder aus der bestprämierten Fotoserie zum Thema Sport. Hätte sich der Mann in der Mitte in dem Moment am Sack gekratzt oder in der Nase gebohrt, hätte es bestimmt Abzüge in der B-Note gegeben.

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Hierbei ist es sehr wichtig, zuerst das Bild und dann den Text zu lesen. Ansonsten könnte man bei dem Satz „Schüler der Beijing Guoan Football-Club Schule üben Köpfen“ auch ganz anders verstehen. Schlimm, dass mich das angesichts des ansonsten dargestellten Elends auch nicht besonders zum Grübeln gebracht hat.

Ein Abend im Süden

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Mek und Merlix luden ein zur Lesung im Südbalkon in Wilhelmsburg. Für mich war das das erste Mal auf der Elbinsel, die mir bisher nur aus Gerüchten und Absolute Giganten bekannt war. Weder im Film noch beim Hörensagen kommt der Stadtteil besonders gut weg. Doch es tut sich etwas: Allerorten hört man, dass der Stadtteil in den Startlöchern steht, das nächste Ottensen oder die nächste Schanze zu werden.

Umso gespannter waren Eckart und ich, als wir uns auf den Weg machten. In Wilhelmsburg aus der S-Bahn auszusteigen ist eine kleine Mutprobe. Muss man hier wirklich Angst haben, schon auf dem Bahnsteig ausgeraubt zu werden? Wir ignorieren die offensichtlichen Gefahren und steigen schnell in den wartenden Metrobus 13. Dank einer nicht zu hundert Prozent hilfreichen Wegbeschreibung haben wir die Gelegenheit, die Veringstraße ein paar hundert Meter hinaufzugehen. Bis auf ein kleines Straßenrennen zwischen einem Mercedes Cabrio und einem Motorrad, die mit ca. 100 km/h (und weiter beschleunigend) die schnurgerade Straße entlangrasen, ist hier nichts ungewöhnlich.

Im Südbalkon sind wir unter den ersten Gästen. Mek hatte nicht übertrieben: Hier passen maximal dreißig Zuhörer rein. Dreißig werden es dann doch nicht, aber ein paar bekannte Gesichter kommen bald dazu, als wir auf dem Bürgersteig biertrinkend den Pommesteller der sehr offensichtlich schwangeren Herzdame herumreichen. Der Grieche von gegenüber macht sehr gute Pommes. Überhaupt: die Gastronomie auf diesem kurzen Stück der Veringstraße ist nicht zu verachten: Neben dem Griechen gibt es zwei Portugiesen, beste Voraussetzung für die notwendige Galao-Versorgung eines kommenden Szene-Stadtteils.

Beginn der Lesung ist gegen halb zehn. Mek liest seinen verregneten Sommer, Merlix trägt aus seinen Travemünder Erinnerungen vor. Danach gibt es den verteilt gelesenen Text über den harten Winter 78/79 in Lübeck. Selbst gelesen hatte mir die Geschichte nicht so sehr zugesagt, aber vorgelesen vom staatlich anerkannten Experten für südländische Geschichten und seinem norddeutschen Gegenpart war es ein großes Vergnügen.

Plötzlich ist es halb eins, die Zugereisten machen sich auf den Weg zurück auf das Festland. Eckart und ich nehmen den Bus und haben auf dem Weg bis zur S-Bahn die skurrile Begegnung mit einem Junggesellinnenabschied, dem die Braut abhanden gekommen ist, auf dem Weg zum Kiez. Bei den Grazien ist es auch kein Wunder, dass sich die Braut ausgeklinkt hat. Wer will schon mit Freundinnen gesehen werden, die — wie Eckart sagt — Paris Hilton zur Stilikone erhoben haben?

Sicher und wohlbehalten erreichen wir den Hauptbahnhof. Obwohl ich die Stadtgrenze nicht verlassen habe, kommt es mir doch vor, von einer Reise zurückgekommen zu sein.