Monthly Archive for Mai, 2007

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Out of Barmbek

Rein beruflich verschlägt es mich diese Woche in die Mutterstadt, die seit ein paar Wochen nicht mehr meine Heimtstadt ist, zumindest habe ich hier keinen zweiten Wohnsitz mehr.

Was ich hier auch nicht habe, ist ein vernünftiger Internet-Zugang. Mein Macbook Nikita liegt zwar in der Wohnung der Mutter, in der ich die nächsten Tage verbringen werde, aber dank des gut eingespielten Schuld-in-die-Schuhe-Schiebens des Ex-Monopolisten und der neu angetretenen Telefon-Firmen wird der DSL-Anschluss erst morgen gelegt. So sitze ich in der Stadtbücherei („Bücherhalle“ für alle Hamburger) und versuche, auf dem öffentlichen PC ein wenig meine Mails und das Blog zu pflegen.

Wann habe ich das letzte Mal einen Röhrenmonitor benutzt? Ich kann mich ehrlich nicht mehr dran erinnern. Außerdem erinnere ich mich nicht mehr dran, wann ich zuletzt eine völlig grottige Kiosk-Software benutzt habe. Die Firma MSC Elektronische Bauelemente GmbH (www.msc-elba.de) hat es tatsächlich geschafft, mir vor Augen zu führen, dass ein standardkonformer Web-Browser keine „Commodity“ ist, also kein Gebrauchsgut, das man als gegeben hinnehmen kann.

Abgesehen davon ist es hier mal wieder ganz nett, auch wenn es sehr seltsam ist, zum Arbeiten in diese Stadt zu kommen. Sonst bin ich hier zum Verbringen freier Tage, zum Besuch der Familie und von Freunden. Aber Arbeit? Zudem ist es ein ganz komisches Gefühl, in die neue Wohnung der Mutter zu kommen. Bislang habe ich die Wohnung nur im unmöblierten Zustand gesehen. Jetzt ist es schon ein wenig seltsam, die ganzen Möbel in einem neuen Kontext zu sehen, besonders, weil die Mutter diese Woche gar nicht zu Hause ist und ich dort alles allein entdecken muss. Ist aber schön geworden, hat sie sehr fein eingerichtet. Es fehlt zwar gegenüber vorher ein Zimmer, aber dafür wohnt ja auch ein Bruder weniger dort. Es fällt gar nicht so sehr auf, dass gegenüber vorher dreißig Quadratmeter fehlen, die Vertrautheit der Möbel und des Einrichtungsstils macht da einiges wett.

Wenn’s also in den nächsten Tagen ein wenig spärlich wird mit Neuigkeiten hier, bitte ich das zu entschuldigen. Nochmal tue ich mir diesen Stadtbücherei-PC nicht an.

Mit dem Passwort OROWK6-PSBUQ kann man in der Stadtbücherei Düsseldorf noch ca. acht Minuten Internet nutzen. Go for it.

Kamera, Regie und Schnitt: Alexander

Und wenn Sie diesen Hebel ziehen, setzen Sie die Zeitmaschine in Betrieb.

Diese Zeitmaschine liegt nun vor mir, in Form von vier DVDs, die der jüngste Bruder freundlichweise letztens von VHS auf ein für mich nutzbares Medium konvertiert hat. Inhalt dieser DVDs sind ca. neun Stunden Filmmaterial, das ich im März und April 1990 bei einer Studienfahrt mit meiner Schule nach Botswana aufgenommen habe. 17 Jahre lang lagen die Videocassetten herum, seit ca. 1991 habe ich sie nicht mehr angesehen. Das ist echt ein Erlebnis.

Wir waren ca. 10 Schüler damals, die im Rahmen einer Entwicklungshilfe-AG (damals hieß AG automatisch noch „Arbeitsgemeinschaft“, nicht — wie heute — „Aktiengesellschaft“) für drei Wochen ins südliche Afrika reisten, um ein von uns unterstütztes Projekt zu besuchen. Ich hatte die damals top-moderne Videokamera der Schule dabei (eine kleine Kamera, die mit einem Videorecorder verbunden war, den man an einem Tragegurt schulterte. Ja, VHS Cassetten, die großen. Ja, war scheiß-schwer, das Ding) und war gehalten, die Reise zu dokumentieren. Neun Stunden Material sind dabei rausgekommen. Endlose Schwenks über die afrikanische Steppe, Zoom-rein und zoom-out Orgien ohne Rücksicht auf spätere Betrachtbarkeit. Was war ich für ein schlechter Kameramann…

Mann, bin ich alt geworden. Und die ganzen Freunde von damals auch. Ich bin ja nicht so home movie-erfahren, bei uns in der Familie wurde damals noch nicht viel gefilmt, sodass meine Kindheit und Jugend hauptsächlich auf Fotos festgehalten ist. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob man nur ein statisches Foto ansieht, sondern auch ein wenig Bewegung und Ton dabei hat. Binsenweisheit, schon klar. Aber die Erfahrung am eigenen Leib ist nicht zu verachten.

Nun überlege ich, was mit dem neu gefundenen Schatz zu tun ist. Gerne würde ich ja etwas zusammenschneiden und ein kurzes Feature erstellen. Ist aber gar nicht so einfach. Erstmal die DVDs wieder in ein nutzbares Format bringen (kennt jemand außer DVDxDV ein günstiges Mittel?), dann mit iMovie schneiden. Habe nach den ersten Experimenten fest gestellt, dass es einen Grund gibt, weswegen Mediengestaltung ein Ausbildungsberuf ist. Das lernt man nicht so eben im Vorbeigehen.

Overheard in Barmbek

Skinhead, ca. 1,65 groß, Camouflage-Hose, „Motörhead – Deutschland“ T-Shirt über fetter Plauze, Alex aus Clockwork Orange auf den Hinterkopf tätowiert am Telefon: „Was? Sie ist ausgezogen? Auch noch ins Frauenhaus? Ja, kann man da nichts machen?“

— S-Bahn Alte Wöhr

Mitgehört von: Will den Rest der Geschichte gar nicht kennen

Moni — D’u wir’st un’s fehl’en

Seit Wochen nehme ich mir vor, etwas darüber zu schreiben, heute kommt mir der Großbloggbaumeister zuvor:

Moni macht den Laden zu: Moni’s Laden, Mode für starke Ladie’s. Die Obermutter des falsch verstandenen Apostrophs gibt auf. Noch bevor ich nach Hamburg zog, las ich von diesem Laden in den Briefen an die Leser in der Titanic. Eine Barmbeker, wenn nicht gar Hamburger Ikone wird bald der Vergangenheit angehören und in Vergessenheit geraten.

Wenn sich nach einer längeren Zeit des Leerstands eine weitere Dönerbude, eine SB-Bäcker oder ein 99-Cent-Laden hier niederlässt, wird nichts mehr daran erinnern — außer vielleicht ein falsch gesetztes Apostroph. „Hier alles für 99 Cent’s“ wäre ein würdiger Nachfolger.

Kochniederlage

Die hilflos zusammengewürfelte Pasta-Soße aus den verschiedenen Restzutaten, die in Speisekammer und Kühlschrank ihr trauriges Dasein fristeten, schmeckt umso vorzüglicher, wenn man sie unmittelbar vor dem Servieren durch den Ausguss schwenkt und durch eine Pizza beim Italiener um die Ecke ersetzt.

Ich bin nicht allein

Die SZ schreibt heute:

Einer Studie zufolge seien 2006 etwa 2,1 Millionen Mieter in Deutschland allein deshalb umgezogen, weil sie lärmende Nachbarn nicht mehr ertragen konnten, berichtet der [Fachverlag Wirtschaft, Recht und Steuern (WRS)].

Yep.

Stöckchen werden zur Gewohnheit

…beziehungsweise: Die Gewohnheit wird zum Stöckchen. Dieses hier hat mir der freundliche Herr bosch zugeworfen (gehört das kleine „b“ eigentlich zur Marke?). Nun mal los:

1. Weißt Du, wie man die BH-Größe misst?
Habe ich noch nicht gemacht, aber wenn ich mich nicht täusche, wird der Brustumfang direkt unter der Brust gemessen, die Körbchengröße am zuverlässigsten durch Anfassen und Einschätzen.

2. Was ist Deine Lieblingseissorte?
Im Zweifel immer Schoko.

3. Welche 3 Dinge hast Du immer bei Dir, wenn Du unterwegs bist?
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4. Rechts- oder Linkshänder?
Links. Aber mit ein paar Ausnahmen: Meine angeborene Maushand ist rechts, allerdings habe ich mir dabei die Beidhändigkeit antrainiert, meine Ellenbogen und Handgelenke danken es mir. Hintern abwischen ebenfalls mit rechts (zuviel Information?).

5. Welche Zeitungen und/oder Magazine hast Du abonniert?
Das Deutschlandradio-Programmheft, die Titanic (seit Ende 1991) und die brand eins (seit 2004). Beide lese ich üblicherweise mit einem bis drei Monaten Verzug und überlege immer mehr, mich von ihnen zu trennen. Noch bringe ich es nicht über’s Herz.

6. Redest Du mit Deinen Blumen?
Mit meiner einen Pflanze? So übel, wie ich sie behandle, würde ich mich wundern, wenn sie überhaupt noch mit mir sprechen würde.

7. Kennst Du die richtigen Namen Deiner E-Mail-Freunde?
Ich kenne nicht alle echten Namen der Leute, deren Blogs ich lese. Bei Mails ist das anders.

8. Hattest Du mal ein pinkfarbenes Kleidungsstück?
Oh, verdammt, ja. Ich war 16, als ich ein gebatiktes T-Shirt geschenkt bekam. Ich war sehr verliebt in diese Frau und… ach, was soll’s: JA, ICH HABE EIN PINKES, GEBATIKTES T-SHIRT GETRAGEN. So mit 16 oder 17.

9. Beißt Du Dir in die Lippe, wenn Du nervös bist?
Spontan hätte ich das verneint, bis mir gerade auffiel, dass ich mir auf die Lippe beiße. Das hängt aber bestimmt mit der Frage nach dem pinken Kleidungsstück zusammen.

10. Frühaufsteher oder Nachteule?
Eher Nachteule.

11. Kannst Du einen BH mit nur einer Hand öffnen?
Kommt drauf an, wieviele Hände einer anderen Person mir dabei helfen.

12. Loft, Villa, Bauernhaus oder einfach nur Wohnung?
Wohnung.

13. Wie trinkst Du Deinen Kaffee?
Bis vor vier Monaten: gar nicht. Seitdem: Mit Karamell-, Vanille- oder Haselnuss-Sirup und geschäumter Milch. Die Senseo hat den Kaffe in mein Leben zurückgebracht.

14. Weißt Du das Alter Deiner Eltern?
Aber selbstverständlich. Bei Daten bin ich autoritativ in der Familie.

15. Schau nach rechts, was siehst Du?
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16. Kaust Du auf Bleistiften oder Kulis rum?
Nein.

17. Wenn auf einer Tür steht ‘ziehen’, drückst Du trotzdem?
Um auszuprobieren, ob mich der Türbeschrifter veräppelt? Nein.
Weil ich das Schild nicht gesehen habe: Kann passieren.

18. Riechst Du an anderen Menschen?
Das ist eine sehr kontextabhängige Frage. Ich beschnüffel bestimmt keine wildfremden Menschen in der Bahn.

19. Spielst Du ein Instrument?
Nein.

20. Was würdest Du Gott sagen, wenn Du das Himmelstor erreichst?
Wem?

Dieses Stöckchen geht raus an Hajo, Herrn Paulsen und Kiki.

So nicht, meine Herren!

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Sie müssten es besser wissen. Wer in der letzten Saison reihenweise höherklassige Mannschaften vom Platz schießt und nur am Rekordmeister scheitert, sollte verdammt nochmal wissen, dass man ein Pokalspiel nicht automatisch gewonnen hat, nur weil der Gegner zwei Klassen tiefer spielt. Da darf man sich nicht hängen lassen, sondern muss alles geben. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, wie eine nahezu mantrenhaft wiederholte Platitüde besagt. Das gilt, wie wir heute schmerzlich erfahren haben, nicht nur für en DFB-Pokal, sondern auch für den Oddset-Pokal, der zwischen den Hamburger Amateur-Mannschaften ausgespielt wird.

Das 3:1 für den Gastgeber SC Victoria ist ein Ergebnis, das dem Spiel völlig gerecht wird. Zum Teil völlig lustlose Pauli-Spieler liefen halbherzig über das Feld, der Torwart hat sich beim 3:1, bei dem er in der 90. Minute völlig unnötig bis zur Hälfte des Spielfelds aufgerückt ist, zum Gespött gemacht.

Jetzt sind die raus aus dem Pokal und haben diese Chance auf die Qualifikation für den DFB-Pokal der nächsten Saison verspielt. Bleibt nun nur noch die Möglichkeit, sich als Aufsteiger in die 2. Liga zu qualifizieren. Dafür müssen sie aber gewaltig nachlegen. Mit dieser Leistung kann man sich die Fahrtkosten nach Osnabrück am Samstag sparen.

Mann, war das frustrierend.

Die Bescheuerten Kinder wollten mich verkloppen

Es war mal wieder Party bei den Bescheuerten Kindern in der Wohngruppe des ib, direkt neben der WG der Freundin, wo wir versuchten, uns nachts von unserem anstrengenden Studentenleben zu erholen.

Dieses Mal war es nicht nur ein einsamer Radiowecker, den ich Wochen zuvor schon mit einem beherzten Griff in den Sicherungskasten zum Schweigen gebracht hatte, sondern ein ausgelassenes Fest. Mit lauter Musik und Jungs voller Testosteron. An Schlaf war mal wieder nicht zu denken. Was tun? Polizei rufen? Ach, das kann man doch auch direkt regeln, dachte ich mir. Zivilcourage olé!

Ich zog mich an, schnappte mir den Hausschlüssel (er passte auch für das Nebenhaus: derselbe Vermieter, dieselbe Schließanlage) und kletterte vier Etagen hinab und im Nebenhaus vier Stufen hinauf. Vor der Tür, die ob des Schalldrucks von innen schon Wölbungen hatte, atmete ich dreimal tief durch und klingelte.

Die Musik wurde marginal leiser, die Tür öffnete sich und ich blickte in eine Schar Gesichter, alle so zwischen fünfzehn und achtzehn. Ich begann das Problem zu schildern: Musik sehr laut, Freundin macht Examen, muss früh raus, yadda yadda yadda. Zum Glück stand derjenige mit einem Funken Restvernunft direkt vorne und versprach, man werde die Musik jetzt leiser machen. Doch bevor wir zu einem guten Abschluss kamen („Ihr seid cool, wird sind cool, wir gehen jetzt alle schlafen“), kam erneut Aufregung in die Szene:

Was will der? Was will der?

schrie der halbstärkste der Bande aus dem Hintergrund, in der Hand etwas, das aussah wie…

Ist das ein Baseballschläger? OK, ich bin raus

stellte ich kühl panisch fest und rannte die vier Stockwerke hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf. Soviel zur Zivilcourage, aber hier kam ich mit Diplomatie nicht weiter. Diesmal riefen wir die Polizei, keine Frage. Allerdings war uns sehr mulmig. Die Bescheuerten Kinder wussten ja, wo wir waren. Die würden bestimmt kommen, uns in der Nacht meucheln. Als es später im Treppenhaus einen irre lauten Knall gab, entschieden wir uns — beseelt von Panik — um vier Uhr morgens, das Bett zu wechseln, schwangen uns auf die Fahrräder und fuhren die eineinhalb Kilometer zu mir.

Epilog

Erstens: OK, es war unfair, selbst Panik zu schieben und abzuhauen, die drei Mitbewohner aber einfach schlafen zu lassen. Tschuldi.

Zweitens: Die Sozialarbeiter in der Geschäftsstelle des ib (ebenfalls bei der Freundin im Haus) waren am nächsten Tag sehr bestürzt, hatten aber selbst viel zu tun, da man mitten in der Nacht die halbe Eingangstür weggetreten hat, um die Kaffeekasse des Büros zu klauen.

Endlich!

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(seit dem 27.04.2007 auf DVD, seit gestern auf meiner Amango-Liste an Nummer 1.)