Ein Wort zur Entschuldigung

Tut mir leid, dass ich ich in der letzten Woche so säumig war mit dem Verfassen neuer Beiträge zu diesem Blog. Ich möchte mich dafür entschuldigen.

Der letzte Satz ist Schwachsinn. Einerseits muss ich mich bei niemandem dafür rechtfertigen, wann und wieviel ich hier schreibe. Andererseits kann ich mich dafür nicht entschuldigen. Die einzigen, die mich entschuldigen können, sind meine werten Leserinnen und Leser.

Entschuldigen kann nicht reflexiv sein. Greifen wir zur Illustration ein beliebiges Beispiel heraus. Am 11.05. war bei SPON zu lesen:

Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte unter Tränen und bekam eine recht milde Strafe.

Um so schlimmer. Er bekommt nur eine milde Strafe dafür, dass er beschließt, nun nicht mehr schuldig zu sein? Ha. Die Härte des Urteils möge ihn ob dieser Frechheit treffen. Die angemessene Antwort des Richters wäre gewesen: „Bürschchen, solange die Angehörigen der Opfer des Brandes Dich nicht entschuldigen, musst Du in die Schäm-Ecke. Und zwar pronto.“

Wie wäre es also in Zukunft mit um Entschuldigung bitten. Wenn keine Zeit für ausführliche Satzkonstruktionen wie „Ich möchte Sie um Entschuldigung bitten“ bleibt — beispielsweise, wenn man in der U-Bahn jemandem auf den Fuß getreten hat und die Gelegenheit nicht nutzen möchte, eine Freundschaft für’s Leben zu beginnen –, ist ein „Entschuldigen Sie bitte“ immer noch besser als ein gemurmeltes „Schulligung“, was lediglich eine Äußerung dafür ist, dass man selbst gemerkt hat, dem anderen zu nahe gekommen zu sein. „Tut mir leid“ ist auch hübsch, man sollte es aber so meinen.

7 Responses to “Ein Wort zur Entschuldigung”


  • Wie wäre es denn in Zukunft, eine Frage mit einem Fragezeichen an satzfinaler Position abzuschließen? Zudem möchte ich meiner tiefsten Verwunderung Ausdruck verleihen: Ich könnte mein gesamtes Privatvermögen darauf verwetten, dass heute Dienstag, der 6. Juni ist, Dein Eintrag wurde bzw. wird aber erst am Mittwoch, dem 7. Juni gepostet. Den Trick musst Du mir bei Gelegenheit mal erklären. Interessanterweise lese ich gerade das exquisite Buch The Time Traveler’s Wife von Audrey Niffenegger, das ich Dir aus offensichtlichen Gründen sehr ans Herz legen möchte.

  • *räusper*
    Ich bin ja nun selbst ein Klugscheißer, deswegen tut es mir Leid, andere Klugscheißer zurückzupfeifen, und ich bitte dafür auch gleich mal um Entschuldigung: ich bin mir ziemlich sicher, dass Du Unrecht hast. „Sich entschuldigen“ (jawohl, reflexiv) kann auch performativ benutzt werden. (Performative Verben sind die, die eine Tätigkjeit bezeichnen, die dadurch ausgeübt wird, dass man das Verb ausspricht, z.B. ich gratuliere Dir, ich grüße Dich).

    Aber ich verstehe, was Du meinst, und eigentlich hast Du ja auch Recht. Isch pasönlisch krisch ja Plaque, wenn ich „das müssen Sie entschuldigen“ höre. Muss ich nämlich gar nicht.

    (Auch doof: „Ich möchte Sie begrüßen“, na, tun Sie’s doch! Aber vielleicht geht Höflichkeitssprache eben auf Kosten der Logik.)

  • Isabo: Welcome to Klugscheißungscontest 2007! :-) „Sich entschuldigen“ ist zweifelsfrei ein reflexives Verb. Meinem Sprachgefühl widerspricht der performative Gebrauch, aber da ich Deine Autorität in sprachlichen Dingen anerkenne, werde ich meine Mission, die Welt zu bekehren, in dieser Sache aussetzen. War ohnehin fruchtlos.

  • Nu stell mich mal nicht auf so ein Podest, ich behaupte hier auch nur so ein bisschen rum.

  • Zu diesem Thema gibt es auch einen Zwiebelfisch-Artikel: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,433479,00.html

    Ich würde es einfach so erklären:
    Die Bitte „Entschuldigen Sie mich“ verkürzte sich im Lauf der Zeit zu der reflexiven Form „sich entschuldigen“.
    Wer jedoch lediglich sagt, „Ich entschuldige mich“, maßt sich an, sich selbst die Schuld abzunehmen, was bei Kleinigkeiten, wie z.B. 2 Minuten zu spät kommen, genügen mag.
    In beiden Fällen wird das Verb performativ (Aussprache=Handlung) verwendet, im ersten bittet der Sprecher den anderen um Vergebung, im zweiten vergibt er sich kurzerhand selbst.

    Richtig macht es, wer sagt „ich möchte mich dafür entschuldigen“, denn damit spricht er seine Reue aus (kann man auch als performativ erachten), und entschuldigt ist er erst, wenn der Angesprochene dem Wunsch der Entschuldigung entspricht, was ja im Alltag auch häufig geschieht, wenn es keine große Sache ist.
    Auch die Form „Entschuldigung“ ist angebracht, weil es eine Verkürzung des Satzes „Ich bitte Sie/Dich/wen auch immer um Entschuldigung“ ist, und so wird der Angesprochene sie auch verstehen. Wenn ich auf der Straße angerempelt werde, möchte ich mir auch nicht stundenlang anhören „Bitte entschuldigen Sie meine Rüpelhaftigkeit“, und ich muss dann sagen „Halb so wild, ich spreche Sie großzügig von Ihrer Schuld frei“.
    Bei anderen Gelegenheiten hat natürlich die ausführliche Form ihre Berechtigung.

  • Danke für den Link, Lady Kinkling. Bastian Sick bringt es mal wieder auf den Punkt. Bin nur heilfroh, dass mein Beitrag drei Monate älter ist als der Artikel von Sick — womit die Plagiatsfrage eindeutig geklärt sein dürfte…

  • Bastian Sick kann es eben. Aber ich finde lady-kinklings Ausführungen ebenfalls sehr überzeugend.

Comments are currently closed.