Manuel, König der Portugiesen

Heute ist Freitag. Freitags ist Markt am Museum der Arbeit und normalerweise gehe ich dorthin, um einzukaufen. Heute nicht, denn heute ist auch Fußball und da lohnt es sich nicht, vorher nochmal nach Hause zu fahren. Doch ich schweife ab.

Ein besonderes Vergnügen beim Einkaufen auf dem Markt ist es, bei Manuel am Stand vorbeizuschlendern und die letzten beiden Croissants zu kaufen. Manuel ist Portugiese und hat einen kleinen Imbissstand, mit dem er auf verschiedenen Hamburger Wochenmärkten präsent ist. Dort verkauft er Backwaren, Pommes und Milchkaffee. Der Milchkaffee beim Portugiesen heißt ja galao, aber ich habe keine Ahnung, wo die Tilde auf das Wort kommt und deshalb nenne ich den galao Milchkaffee. Manuel wirkt ein wenig wuschig, was vielleicht daran liegt, dass er trotz geschätzter 30 Jahre in Deutschland noch nicht ganz fließend Deutsch spricht. Er erinnert mich immer an den Kellner aus Fawlty Towers, der nicht zuletzt auch Manuel hieß. Die beiden sind sich auch äußerlich ähnlich. „I know nothing, I’m from Barcelona.“

Doch ich bin sicher, dass dies nur eine Fassade ist und dass Manuel wahrscheinlich der abgefeimteste und reichste Portugiese der Welt ist. Mit dem Erlös der ca. 54.000.000 verkauften Milchkaffees hat er vermutlich größere Teile der Algarve gekauft.

Besonders lustig ist es, bei Manuel Brötchen und Croissants vorzubestellen, wenn ich am Wochenende mal Gäste habe. Dazu gehe ich am Donnerstag vormittag zum Markt am Burchardplatz und versuche ihm klar zu machen, dass ich etwas vorbestellen möchte, was ich am nächsten Tag in Barmbek abholen möchte. Das klingt dann so:

Er: Haaallloooo

Ich: Hallo, ich möchte gerne etwas für morgen vorbestelle: 20 Brötchen und 8 Croissants.

Er (total ungläubiger Blick): Soviel habe ich nicht da.

Ich: Neinnein, nicht für jetzt, für morgen bestellen. 20 Brötchen, 8 Croissants. Ich hole das in Barmbek ab. (Oh bitte, lass ihn das Signalwort „Barmbek“ verstanden haben.)

Er: Ah, ja, gut, morgen abholen!

Ich: (bitte, bitte, wiederhol die Zahlen für mich.)

Er: Das sind 20 Brötchen und…

Ich: (ja… ja…)

Er: 8 Croissants.

Ich: Ja. 20 und 8.(Ja! Er hat’s verstanden!)

Ich: Wollen Sie eine Anzahlung haben? (was frag ich Vollidiot so komplizierte Dinge?)

Er : (leichte Verwirrung) Jaja, morgen abholen.

Ich: (Puh!) Ja, prima, bis morgen dann.

Am nächsten Tag drückt Manuel mir eine Riesentüte Brötchen in die Hand. Ich bin glücklich, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass alle Aspekte dieser komplexen Konversation richtig verstanden worden sind.

Hat sich aber gelohnt. Die Brötchen von Manuel sind Weltklasse und die Croissants so fluffig, dass ich mich am liebsten reinlegen würde.

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