Angewandter Machiavellismus

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Seit über zwanzig Jahren spielen wir dieses Spiel: ein Brettspiel, das ich 1986 bei meinem Cousin in Österreich kennenlernte und mir nach der Rückkehr aus den Sommerferien dort sofort selbst kaufte. Machiavelli heißt das Strategiespiel, es versetzt bis zu acht Spieler in das Italien der Renaissance. Als Schüler haben wir uns zweimal die Woche getroffen, um stundenlang kleine Armee-Märkchen kreuz und quer durch Italien zu verschieben, Verteidigungsketten aufzubauen und trotz fester Absprachen den besten Freunden hinterrücks in die Hauptstadt einzufallen.

Als Zivis und Studenten waren wir ein wenig zu weit auseinander, um das so regelmäßig fortzführen. Seit aber alle aus der Fünferrunde bis auf mich wieder in Düsseldorf wohnen, treffen wir uns reihum alle drei bis vier Monate zu einer Partie. Das sieht dann ungefähr so aus, dass wir uns einen Samstag lang einschließen, mit viel Bier und Leckereien bewaffnet irgendwas zwischen vier und acht Stunden an einer Partie sitzen und — wenn es zu schnell ging — noch eine zweite Dranhängen. Sähe uns ein Unbeteiligter, könnte er der Auffassung sein, dass die Körper dieser gestandenen Mittdreißiger für die Dauer eines Tages von Sechzehnjährigen befallen worden sind. Lediglich das Bier vertragen wir besser als Ende der Achtziger Jahre. Es gibt kaum eine bessere Verjüngungskur als dieses Spiel: Einfach mal zwanzig Jahre von sich abfallen lassen.

Morgen bin ich mal wieder an der Reihe, das Spiel auszurichten. Die Horden aus dem Rheinland erwarte ich gegen 22 Uhr heute abend, bin gespannt, in welchem Zustand sie hier auflaufen. Ich bin vorbereitet: Die Wohnung ist geputzt, der Kühlschrank ist aufgefüllt, ich müsste nur langsam anfangen, Bier zu trinken, um den Niveauunterschied nicht so eklatant ausfallen zu lassen.

Freue mich diebisch.

Nachtrag 1: Die anderen sind der Meinung, dass wir das Bier damals besser vertragen haben als heute.

Nachtrag 2: Leider ist einer der Mitspieler aus der Originalbesetzung nicht mehr dabei, aber es wäre auch ein wenig zuviel verlangt, wenn er dreimal im Jahr aus Neuseeland nach Hause käme…

2 Responses to “Angewandter Machiavellismus”


  • Ich kann dem Verfasser dieses Beitrags nur rechtgeben, dass dieses Spiel einfach nur faszinierend ist. Leider hatte ich bisher nur einmal die Gelegenheit mitzuspielen. Seit einigen Jahren suche ich verzweifelt nach diesem Spiel, aber es ist nirgendwo mehr erhältlich, weder auf Flohmärkten noch bei Ebay usw.

    Hast Du oder jemand anderes da vielleicht einen Tipp für mich, wie man an dieses Spiel herankommen kann???

    Viele Grüße Sven.

  • Sven: Einer der Mitspieler hat das Spiel über das amerikanische eBay gefunden, sogar mehrfach. Viel Glück.

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