Blickfett

In „Brillenputztücher“ schreibt Max Goldt einen Dialog, dessen ersten Zeilen ich hier wiedergebe:

Es sitzen zwei im Park

Mann:  Hätten Sie vielleicht mal ein Brillenputztuch?
Frau:  Ja bitteschön, bedienen Sie sich. Sie lassen die Brille beim Putzen auf der Nase? Ich nehme sie immer ab.
Mann:  Wozu soll das denn bitteschön gut sein?
Frau:  Dann kann man auch die Innenseite der Gläser säubern, wo sich das sogenannte Blickfett ablagert.
Mann:  Das Blickfett. Nun gut. […]

(aus: Max Goldt: „‚Mind Boggling‘ — Evening Post“, Haffmanns 1998.)

Das Blickfett. Nun gut. So wie der Mann in dem Dialog habe ich auch reagiert, als ich den Text das erste Mal las. Dann habe ich gelacht, über die feine Beobachtung. Heute bin ich schlauer, heute weiß ich, dass es dieses Blickfett wirklich gibt. Ich weiß das, seit ich im Januar meinen Haushalt um ein weiteres unnötiges aber praktisches Gadget erweitert habe: Ein Ultraschallreiniger für die Brille. Kinners, ich sag Euch: Vergesst Brillenputztücher. Nehmt Ultraschall. Selten eine so saubere Brille gehabt, außer ich war beim Optiker und habe die Brille dort reinigen lassen.

Aber zurück zum Blickfett: Wechselt man nicht sofort nach dem Reinigen das Wasser in dem Gerät, wartet man vielleicht sogar zwei oder drei Tage damit, kann man es sehen, wie es sich langsam am Boden der Edelstahlwanne formiert, wie das Blickfett sozusagen ausflockt, falls Lipide das können und es nicht nur Proteinen vorbehalten ist. Am Anfang dachte ich noch an Rückstände des Spülmittels im Wasser, doch empirische Tests haben bewiesen: Es ist das Fett von der Innenseite der Brillengläser. Das Foto beweist es:

blickfett

Und morgen dringend das Wasser wechseln.

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