Für den Bahn-Börsengang

Nachdem der Mehdornsche Bedienzuschlag ja schneller wieder vom Tisch war, als man „außerplanmäßiger Halt“ sagen kann, hat Eckart eben am Telefon eine großartige Idee gehabt, welchen besonderen Service man zukünftig noch extra bezahlen lassen kann: der In-Fahrtrichtung-Sitzen Zuschlag? Den kann man natürlich bei jedem Kopfbahnhof neu taxieren, sodass wirklich jeder dran ist.

Und wenn der Mehdorn bei der Bahn rausfliegt, fängt er garantiert bei der GEZ an. Abzocke olé!

Nach der Geburt getrennt

Mal bitte kurz Frank Appel, den Chef der Deutschen Post und Jon Stewart, den Gastgeber in der Daily Show, miteinander vergleichen.

Subliminale Werbung

Und was wollen Sie trinken?

(Vorsetzen, Hamburg)

Fabian Boll, der Vielseitige

Die Sportredakteure der MOPO scheinen eine gewisse St. Pauli Affinität zu haben. Anders lässt sich die Überschrift auf der Titelseite des Sportteils der heutigen Sonntags-Mopo kaum erklären:

Tischtennis: Toll! Fabian Boll schmettert uns ins Teamfinale

Ähm, nein. Der Mann kann zwar einiges, z.B. sehr ansehnlich Fußball spielen und seinem gelernten Beruf als Polizist nachgehen, aber dass er in Peking Tischtennis spielt, obwohl ich ihn am Freitag abend noch aus nächster Nähe am Millerntor betrachten konnte, ist unwahrscheinlich. Trotz der Zeitverschiebung.

Es beruhigt mich aber, dass ich nicht der einzige bin, der Timo Boll (Tischtennis) und Fabian Boll (Fußball) verwechselt. Zu Beginn meiner Stadionbesuche war ich immer schwer verwirrt, weil es ja neben Fabian Boll auch noch Timo Schultz gibt. Das hat mich beim Begrüßen der Mannschaft immer arg aus dem Tritt gebracht.

Geht doch kacken, Paketdienste

Die Post hatten wir ja vor einigen Tagen schon. Seit vorgestern habe ich das Vergnügen, Opfer von DPD zu sein. Dienstag hing eine Benachrichtigungskarte außen an der Haustür, dass man versucht habe, mir ein Paket zuzustellen. Morgen, so die Drohung, wolle man es wieder versuchen. Anbei lag ein Zettel mit einem Formular für eine Vollmacht, um dem Fahrer zu erlauben, das Paket woanders abzugeben.

Gute Idee, das Vollmachtformular außen an die Haustür zu kleben. Jemand kommt, sieht den Zettel, stellt sich die Vollmacht aus und mein Paket verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Gut gedacht, DPD.

Als nächstes versuche ich anhand des Online Trackings herauszufinden, wer mir das Paket schickt. Rufe auf der DPD Website das Tracking Programm auf. Dort soll ich die Paketscheinnummer eingeben. Auf dem Benachrichtigungszettel steht aber nur eine Paketnummer, nicht die Paketscheinnummer. Gebe die Paketnummer ein. „Zu kurz“. Hm. Gebe zusätzlich dazu noch die Depotnummer ein, die in einem anderen Feld auf derselben Zeile steht. Damit geht es.

Gute Idee, die Terminologie innerhalb des Hauses nicht konsistent zu halten. Lass doch den Kunden selbst die Systematik der Nummernsysteme der DPD erarbeiten. Erhöht ja den Mitmach- und Spaßfaktor.

Dann die Telefonnummer auf dem Zettel angerufen, um Genaueres zu erfragen. Geschäftszeiten laut Zettel: 8 bis 19 Uhr. Es war halb sieben. „Piep-piep-piep. Die Nummer hat sich geändert, die neue Nummer lautet …“. Die neue Nummer angerufen: „Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Sie erreichen uns zwischen 8 und 18 Uhr.“ Es war kurz nach halb sieben.

Gute Idee, mit dem Kunden Schnitzeljagd zu spielen und ihn so richtig glücklich zu machen mit der telefonischen Erreichbarkeit.

Vollmacht ausgefüllt: Abgabe bei den Nachbarn auf der Etage unter mir oder Versand an meine Büroadresse in der Innenstadt. Gestern Morgen die Vollmacht In einem Unmschlag an die Tür geklebt. Abends zurück: Keine Vollmacht mehr an der Haustür, kein Paket bei den Nachbarn abgegeben. Das Tracking-Tool faselt etwas von zweiter Zustellung, Kunde nicht angetroffen. Heute morgen vorsichtshalber bei DPD angerufen: An wen wird das Paket heute zugestellt? „Gar nicht, das liegt hier.“ Kann ich es abholen? „Ja, können Sie, wir sitzen in Wilhelmsburg“. Kurz überlegt, ob ich vor oder nach der Arbeit nach W-Burg fahren soll, für nach der Arbeit entschieden.

Zur Arbeit gekommen: Anruf vom Etgagendienst: Hier ist ein Paket für Sie angeliefert worden.

Gute Idee, DPD, mit dem Kunden eine persönliche Abholung zu vereinbaren und das Paket gleichzeitig auszuliefern. Hätte mich ja nur eine Stunde gekostet, zu Euch in die Walachei zu fahren.

Wisst Ihr was, Paketdienste der Welt? Ihr könnt mich alle mal. Ich betrachte Euch als notwendiges Übel, auf das man manchmal angewiesen ist. Über den Weg traue ich Euch nicht mehr.

Atlanta oder Tiflis — Hauptsache Georgien.

Diese großflächige Getränkewerbung „The Spirit of Georgia“, die mir heute gleich mehrfach auffiel, ist aber nicht eine Art virales Marketing der Vollspinner Machthaber aus Tiflis, oder?

Dieser großflächige Angriff auf das von Bionade dominierte Exotikfruchtgetränkemarktsegment wurde ja prompt durch eine Rückrufaktion torpediert. Passt ja auch ganz gut zu den Entwicklungen im Kaukasus.

Chapeau, Weltgeist! Wie immer: spitzenmäßiges Timing.

Post, Ihr Säcke!

So richtig, ich meine: so richtig, verarscht komme ich mir vor, wenn ich den ganzen vormittag zu Hause sitze (bis ca. 15:30), extra die Dusche auf später verschoben habe, weil ich auf jeden Fall da sein will, wenn der DHL-Mann klingelt, um mir das heiß ersehnte Paket mit dem neuesten Elektrospielzeug in die Hand zu drücken. Der kommt nicht. Wie bei jedem DHL Paket, das ich erwarte, sehe ich im Tracking-Tool die Meldung „Nach Fehlerbearbeitung erfolgt der Transport zur Zustellbasis“. Wirklich bei jedem. Keine Ahnung, was da los ist. Pakete zu mir dauern immer einen Extra-Tag, bis sie zugestellt werden können.

Also: Der DHL-Mann kommt nicht. Dafür finde ich im Briefkasten eine blaue Abholkarte der Post (Briefdienst), dass man mich nicht angetroffen habe und ich dann ab Montag ein Einschreiben abholen könne.

Briefträger: DU ARSCH! Ich habe definitiv den Tag über die Wohnung nicht verlassen, um auf Dich und Deinen Cousin vo DHL zu warten. Anstatt, dass Du zumindest mal den Anstand hast, zu klingeln und Deinen Job so ernst nimmst, dass Du auch mal zu mir in den dritten Stock hochläufst (was hin und zurück ca. zweieinhalb Minuten dauert), darf ich nächste Woche eine Viertelstunde zur Post laufen und dort ca. 10 Minuten in der Schlange stehen. Macht ca. eine halbe Stunde meiner Zeit gegen zweieinhalb Minuten Deiner Zeit. Nochmal: DU ARSCH!

Hertie, und dann?

Hertie hat Insolvenz angemeldet. Mein großes Mitgefühl gilt den Mitarbeitern dort, natürlich direkt vor meiner Haustür in der Filiale am Barmbeker Bahnhof. Bin ja selbst mal durch eine Insolvenz gegangen und weiß, dass diese Phase der Unsicherheit kein Zuckerschlecken ist — zumal nicht in einem Arbeitsmarkt wie dem Einzelhandel, der ja allgemein nicht so ganz gut läuft wie das Gebiet, in dem ich mich tummele.

Bis vor drei Jahren war dort noch Karstadt angesiedelt. Bei der Restrukturierung der Warenhaussparte sind ca. 70 nicht rentable Häuser verkauft worden. Nun melden diese Häuser wieder Insolvenz an. Nun beschleichen mich langsam Zweifel, ob es in dieser Lage mit diesem Warenhaus überhaupt möglich ist, profitabel zu arbeiten. Viel los ist in dem Haus ja augenscheinlich nicht…

Sollte es nicht dazu kommen, dass sich ein Investor findet, der das Haus in Barmbek auf die Liste der zu rettenden Betriebe setzt, stellt sich die Frage, was dann passiert. Was macht man mit dem leeren Kaufhaus? Klingt vielleicht ein wenig zynisch, aber die Schließung des Hauses wäre eine einmalige städtebauliche Chance für den Ort. Man stelle sich vor, welche Möglichkeiten der Gestaltung es für den Bahnhof und das umliegende Areal geben kann, wenn der potthässliche Betonklotz weg wäre. Nun gibt es in Barmbek ja glücklicherweise noch andere Einkaufsmöglichkeiten als Hertie, so dass die allgemeine Versorgung nicht gefährdet ist, man auf das Kaufhaus vermutlich auch verzichten kann. Wenn sich ein Investor finden würde, der das Grundstück kauft und könnte man die gesamten — wenn auch nie begonnenen — Neugestaltungspläne neu aufrollen und das Bahnhofsareal zu einem wirklich neuen Zentrumsviertel machen.

Eckkneipen

Große Verwirrung allerorten nach dem „Knallerbsen-Urteil aus Karlsruhe“ (SZ). Bei mir auch. Bin schon jetzt genervt, dass vermutlich niemand sich dafür interessieren wird, dass nur die berühmten inhabergeführten Eckkneipen sich im rechtsfreien Raum bewegen, bis die Länder ihre Nichtrauchergesetze angepasst haben. Überhaupt Eckkneipen. Die berühmte Eckkneipe. Was ist denn mit Kneipen, die nicht an Straßenecken liegen? Geht es nicht gegen die Berufsfreiheit eines Wirtes, wenn er seine Kneipe in der Mitte einer Häuserzeile betreiben muss? Und was ist mit Kneipen mit mehr als 75 Quadratmetern? Werden nun Raumteiler aufgestellt oder Zwischenwände eingezogen, um den Raum kleiner werden zu lassen? Bis zu wieviel Fläche seiner Gaststätte würde ein Wirt verbauen, um wieder als „kleine Eckkneipe“ zu gelten? Lohnt sich eine Reduktion von 100 m2 auf 75 m2? Man kann zwar nur noch weniger Plätze anbieten, aber dafür kommen wieder mehr Raucher, ist die Räson dahinter.

Spekuliert mit! Was wird sich in Hamburg und anderen Bundesländern ändern (bis ein vollständiges Rauchverbt in der Gastronomie erwirkt wird)?

Sehr originell, Scherz Verlag

Auf der Broschüre „Ihr Reiseplan“ im ICE wirbt der zur Fischer Verlagsgruppe gehörende Scherz Verlag für das neue Buch von Ralf Husmann. Da niemand Ralf Husmann kennt, muss eine möglichst reißerische Einordnung dieses Namens in den kulturellen Kontext erfolgen. Bei Scherz hat man sich für den Spruch

„Hier kommt der erste Roman von ‚Stromberg‘-Erfinder Ralf Husmann“

entschieden.

Moment bitte. Stromberg-„Erfinder“ Ralf Husmann? Sag mal, Scherz Verlag, geht es noch? Die Stromberg-Erfinder heißen Ricky Gervais und Stephen Merchant. Nur, dass sie keine Serie namens „Stromberg“ erfunden haben, sondern „The Office“. Mit David Brent haben sie eine der komischsten Figuren entwickelt, die das britische Fernsehen jemals hervorgebracht hat.

Dann kommt so ein laufender Fotokopierer wie Ralf Husmann, plagiarisiert für Pro Sieben das Konzept der Serie bis ins Detail und lässt sich für sein — hoffentlich etwas eigenständiger erdachteres — Buch als „Erfinder“ der kopierten Fernsehserie titulieren.

Dazu fällt mir nichts mehr ein, Scherz Verlag, außer einem vermutlich gnadenlos ausgelutschten Wortspiel mit Deinem Namen. Das Wortspiel ist so offensichtlich und abgenudelt, dass es sich eigentlich von selbst verbietet. Aber da, Scherz Verlag, Du ja offensichtlich Spaß an Kopien und Plagiaten hast, will ich mal nicht so sein: Das soll wohl ein Scherz sein. Gern geschehen.